Ich wollte eigentlich nur kurz ins Bastelgeschäft.
Wirklich. Nur gucken. Inspiration tanken. Ein bisschen atmen zwischen Regalen voller Möglichkeiten und leiser finanzieller Fehlentscheidungen.
Ich ging rein mit der festen Absicht, nichts zu kaufen.
Zehn Minuten später hielt ich einen Stempel in der Hand, den ich unbedingt brauchte.
Ich weiß zwar nicht wofür. Aber er war rund. Und hatte Ornamente.
Und irgendwas in mir flüsterte: Der wird dein Leben verändern.
Eine Woche später wusste ich nicht einmal mehr, dass ich ihn besitze.
Das ist der Moment, in dem Dinge in die legendäre Schublade wandern.
Die Schublade.
Die nicht beschriftet ist, aber innerlich „Für spätere Projekte“ schreit.
Spätere Projekte sind übrigens eine sehr optimistische Zeitangabe.
Sie liegt irgendwo zwischen bald und nach meinem Tod.
Neulich habe ich diese Schublade geöffnet
Aus Versehen.
Sie öffnete sich schwerfällig, wie eine Schatztruhe – nur dass statt Gold und Edelsteinen lauter Dinge zum Vorschein kamen, die ich beim Kauf enthusiastisch verteidigt hatte mit Sätzen wie:
- „Das kann man immer brauchen.“
- „War reduziert.“
- „Das gibt bestimmt ein Projekt.“
Es gab kein Projekt.
Es gab selten wirklich ein Projekt.
Ich fand:
– fünf Meter Spitzenband ohne Herkunft
– drei Knöpfe, die einzeln zu nichts passen
– Papier, das so schön ist, dass man es auf keinen Fall benutzen darf
– und ein Werkzeug, bei dem ich bis heute nicht weiß, wie herum man es hält
Und trotzdem:
Als ich die Schublade wieder schloss, dachte ich nicht: Ich sollte weniger kaufen.
Nein!
Ich dachte: Ich brauche eine zweite Schublade.
Man muss ja organisiert bleiben.
Gruß an meine Bastelwesen.
Eure
(leicht ironische, aber sehr glückliche) Pywi

