oder: Wie ich lernte, eine Maschine zu fürchten und zu lieben.
Mein Brummbär hat mir vor Jahren zum Geburtstag einen Plotter geschenkt.
Für alle, die das nicht kennen: Das ist so etwas wie ein Drucker –
nur dass er nicht druckt,
sondern schneidet.
Ein Gerät also, das still, präzise und völlig emotionslos
meine Zeichnungen in Folie zerlegt,
damit ich anschließend Autos, Wohnungen, Kleidung
und theoretisch auch Haustiere verzieren könnte.
Die ersten zwei Monate bin ich um dieses Teil herumgeschlichen
wie um ein wildes Tier.
Ich hatte dieses sehr klare Gefühl,
dass ich es niemals zum Laufen bringen würde.
Facebookgruppen haben dabei nicht geholfen.
Im Gegenteil.
Nach jedem Post dachte ich:
Aha. Gut. Ich bin zu dumm dafür. Schön zu wissen.
Dann, eines Tages, nahm ich all meinen Mut zusammen
und steckte schon mal alles ein.
Ohne es einzuschalten.
Nur stecken.
Man muss ja langsam Vertrauen aufbauen.
Später kam mein erstes Projekt:
ein Herz.
Ein einfaches Herz.
Quasi Plotter-Kindergarten.
Und siehe da:
Es funktionierte.
Einwandfrei.
Ohne Drama.
Ohne Rauch.
Ohne Tränen.
Plötzlich war der Plotter keine Bedrohung mehr,
sondern eine herrliche Maschine.
Ein Verbündeter.
Ein Freund.
Fast Familie.
Ein Geschäftsmann aus dem Nachbardorf (damals noch Schweiz)
übergab mir großzügig kiloweise hochwertige Restfolien.
Ich war im siebten Himmel.
Oder im achten.
Mindestens.
Es entstanden Engel für Weihnachtsdeko,
Geschenkkarten,
und alles wurde beklebt, was nicht rechtzeitig weglaufen konnte.
Für einen Freund machte ich Autoaufkleber,
unser Auto bekam den Namen „Hummeli“,
und obwohl wir dieses Auto inzwischen nicht mehr haben,
trägt der neue RAV4 wenigstens schon mal die passende Farbe.
Die Aufkleber warten noch.
Geduldig.
Sehr geduldig.
Größere Projekte haben allerdings ihre Tücken.
Zum Beispiel das Entgittern.
Entgittern bedeutet:
Man entfernt alles, was nicht zur Schrift oder zum Motiv gehört.
In der Theorie landet das sauber auf einem Ablagestapel.
In der Praxis klebt es:
- im Gesicht
- an den Armen
- auf dem Tisch
- auf der Katze (theoretisch)
- und auf den fertigen Texten, die man dann nochmal plotten darf
Nach einer Entgitter-Session sehe ich aus,
als hätte ich mit einem sehr klebrigen Tintenfisch gekämpft
und verloren.
Das Fluchen, wenn eine elegant geschwungene Schrift
einfach nicht dort bleibt, wo sie sollte,
lassen wir hier unerwähnt.
Aus Gründen.
Und zum Schutz der Leserschaft.
Was ich mich allerdings bis heute nicht wirklich getraut habe,
sind Aufbügel-Folien.
Meine Angst:
Nach dem ersten Waschen hängt mir das halbe Motiv
wie ein trauriger Lappen vom T-Shirt.
Dabei sagen alle:
„Das ist ganz einfach.“
Ja.
Das sagen sie auch über Ikea-Schränke.
Vielleicht eines Tages.
Wenn ich mutig bin.
Oder nichts mehr zu verlieren habe.
Gruß an meine Bastelwesen.
Eure
(leicht ironische) Pywi

