{"id":194,"date":"2025-04-24T15:41:38","date_gmt":"2025-04-24T15:41:38","guid":{"rendered":"https:\/\/pywi.ch\/?p=194"},"modified":"2025-04-24T15:41:38","modified_gmt":"2025-04-24T15:41:38","slug":"vorgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pywi.ch\/index.php\/2025\/04\/24\/vorgeschichte\/","title":{"rendered":"Vorgeschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ver\u00f6ffentlicht 17. Juli 2014<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie oft bin ich von Arzt zu Arzt geschickt worden, mit Beschwerden, die nicht nachgewiesen, die man mit keinem Apparat fotografieren oder aufzeichnen konnte. Und doch hatte ich immer Schmerzen. Ein Arzt sprach schon vor 20 Jahren von Weichteilrheuma, konnte aber nichts dagegen unternehmen. Anscheinend eine Diagnose, die ein Arzt stellt, wenn er nicht weiter weiss, so sein Kommentar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Umfeld war skeptisch, es hiess oft &#8222;immer hast du was&#8220;. Immer musste ich etwas aufgeben, weil die Schmerzen mich hinderten. Heute weiss ich, dass ich eine Krankheit mit dem Namen &#8222;<a href=\"https:\/\/www.rheuma-liga.de\/rheuma\/krankheitsbilder\/fibromyalgie\">Fibromyalgie<\/a>&#8220; habe. Eine Schmerzkrankheit, die nicht heilbar ist und die man nicht nachweisen kann. Schwierig, wenn man sich dann von den \u00c4rzten nicht ernst genommen f\u00fchlt, man etwas schr\u00e4g angesehen wird. Die Verwandten hatten echt M\u00fche damit und ich musste h\u00f6ren, dass sie auch nicht wegen jeder Unp\u00e4sslichkeit der Arbeit fern bleibe. Ich litt und versuchte mich durchzubeissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich weiss nicht was zuerst da war, die Depressionen oder die Schmerzen. Mein neuer Lebenspartner, mein Brummb\u00e4r unterst\u00fctzte mich wo er nur konnte. Lange Zeit war er der Erste und Einzige, der mich ernst nahm. Auf alle F\u00e4lle fand ich auch eine tolle Haus\u00e4rztin, eine super Psychiaterin und eine gute Physiotherapeutin. MIttlerweile erhielt ich auch eine Invalidenrente aufgrund meiner diversen Beschwerden und den Depressionen. Das Leben pl\u00e4tscherte gem\u00e4chlich vor mich hin und an guten Tagen war ich sogar richtig gl\u00fccklich. Ich wusste was mir gut tat und konnte meine Tage einteilen. Klar gab es immer noch Tage an denen der Schmerz oder die uns\u00e4gliche M\u00fcdigkeit mich ausbremsten, aber ich fand meinen Humor und meine Hobbys wieder und ich hatte wieder eine Lebensqualit\u00e4t, die annehmbar war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erster Verdacht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa eine Woche vor meinem 59. Geburtstag f\u00fchlte ich ein Spannen in der linken Brust und strich mit der Hand dar\u00fcber. War da nicht ein Knoten? Ich sch\u00fcttelte f\u00fcr mich den Kopf und dachte, dass es wohl wieder so eine doofe Zyste sei. Die hatte ich ja schon ein paarmal gef\u00fchlt. Das Spannen in der Brust ging wieder weg. Doch irgendwie liess es mir keine Ruhe und ich fragte meinen Brummb\u00e4r, ob er nicht auch mal tasten m\u00f6chte. Er tat es und nahm mir das Versprechen ab, dass ich gleich einen Arzttermin machen soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00c4rztin schickte mich zur Mammografie und Ultraschall. Zum Gl\u00fcck sagte eine Patientin kurzfristig ab und ich konnte noch in der gleichen Woche in die Radiologie. Die Prozedur von Mammografie und Ultraschall kannte ich ja schon, das ist f\u00fcr mich nicht sehr schmerzhaft, nur etwas unangenehm. Ich war schon wieder am anziehen, da kam ein Anruf, dass auch ein CT von der linken Brust gemacht werden m\u00fcsse. Das machte mich stutzig und ich betrachtete das R\u00f6ntgenbild meiner Brust. Ein weisses Gebilde lag fast sternf\u00f6rmig in meiner Brust. Ja, es sah echt ein bisschen aus, als h\u00e4tte es Krebsbeinchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Radiologe empfahl mir eine Biopsie machen zu lassen, denn eine Zyste sei es bestimmt nicht. Ich horchte in mich hinein und stellte fest, dass keinerlei Emotionen hochkamen. Wird schon nix schlimmes sein. Bisher hiess es ja immer ich h\u00e4tte nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00c4rztin die die Biopsie gemacht hatte, teilte mir mit, dass sie mich nicht in Sicherheit wiegen wolle und sie bef\u00fcrchte dass es etwas b\u00f6sartiges sei. Auf jeden Fall m\u00fcsse das raus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so kam es, dass ich eine Woche sp\u00e4ter bereits im Krankenhaus lag und mir ein Teil meiner linken Brust rausgeschnitten wurde. Der Pathologe, der das Ganze kurz ansehen sollte war nicht gekommen und so musste ich eine Woche warten, bis das Ergebnis da war. Noch immer war ich ruhig und mein Brummb\u00e4r meinte, dass ich ihm fast Angst mache. Denn er seinerseits hatte schreckliche Angst und durchlebte wohl die H\u00f6lle. F\u00fcr mich war dann die Zeit im Warteraum vom Arzt die schlimmste Zeit, denn ich wollte meinem Schatz ja beweisen, dass sie alles erwischt und ich gesund bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Diagnose<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann war es soweit, wir sassen beim Arzt im Sprechzimmer und liessen uns erkl\u00e4ren, dass ich Brustkrebs habe und dass ich noch einmal operiert werden m\u00fcsse, weil nicht gen\u00fcgend gesundes Gewebe um den Tumor geschnitten worden sei. Noch immer f\u00fchlte ich nichts ausser ein bisschen Wut, dass es nochmal eine OP brauchte.<br>Und da es sich um ein &#8222;Luminal B-Karzinom&#8220; handle, w\u00fcrde ich anschliessend Chemotherapie, Bestrahlung und Hormontherapie erhalten. Die Reihenfolge w\u00fcrde noch abgesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mir schoss es durch den Kopf: &#8222;Jetzt hast du wirklich mal was das man beweisen kann. jetzt wirst du auch ernst genommen.&#8220; Keiner w\u00fcnscht sich Krebs, auch ich nicht, aber diese Erfahrung war neu f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und jetzt sitze ich hier an meinem PC , nach der zweiten OP, und versuche meine Gef\u00fchle zu verstehen. Ich kann es kaum beschreiben. Einerseits macht sich eine leise Panik breit, andererseits bin ich immer noch sehr ruhig. So, als ob gar nicht von mir die Rede w\u00e4re. So beginne ich halt eine M\u00fctze zu stricken f\u00fcr die Haarlose Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9 Lymphknoten haben sie mir entfernt, 7 davon hatten bereits Metastasen und sogar schon \u00fcber 1cm grosse Tumore drin. Hatte ich nicht mal vor l\u00e4ngerer Zeit das Gef\u00fchl als h\u00e4tte ich was in der Achselh\u00f6hle? Ich erinnere mich nur schemenhaft. Eigentlich lohnt sich nicht dar\u00fcber nach zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mich aber total unsicher macht, ist die Informationsflut mit der ich von Bekannten bedient werde. Da wird von Alternativtherapien gesprochen, von Kliniken, die auf Chemo verzichten. Von Wundermittelchen, oder Wunderdi\u00e4ten, die den Krebs aushungern sollen. Was kann man da glauben, was ist daran Scharlatanerie? In einer Selbsthilfegruppe frage ich nach und da sind sich alle einig, dass bei meinem Befund ein &#8222;Auspr\u00f6beln&#8220; echt t\u00f6dlich sein k\u00f6nne. Ich soll den \u00c4rzten vertrauen. Das werde ich tun. Am 28. Juli 2014 wird die Besprechung sein, wie und welche Therapie das \u00c4rztegremium f\u00fcr mich und mein Schalentier angebracht h\u00e4lt. Bis dahin versuche ich weiterhin positiv zu denken. Denn das Einzige das mir wirklich Angst macht, ist die Chemo. Nicht wegen dem Haarausfall, das ist das kleinste Problem, aber die Nebenwirkungen sind ja wirklich nicht gerade lustig.<\/p>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ver\u00f6ffentlicht 17. 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