Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, mindestens einmal pro Woche einen Text zu schreiben. Und von meinen kreativen Taten berichten.
So richtig regelmäßig. Diszipliniert. Literarisch. Fast schon professionell.
Nun ja.
Das Universum hatte offenbar andere Pläne.
Zum Beispiel das Wetter.
Wir leben ja bekanntlich auf der Insel des ewigen Frühlings. So wird Teneriffa zumindest in Hochglanzprospekten genannt. In der Realität fühlt es sich dieses Jahr eher an wie eine Außenstelle von Norddeutschland im November.
Wind. Regen. Grau. Kalt, sehr Kalt für meine Begriffe.
Wir haben durchschnittlich so ca. 17°.
Und dafür sind wir damals 3000 Kilometer ausgewandert.
Man fragt sich schon kurz, ob der Frühling vielleicht unterwegs falsch abgebogen ist und jetzt irgendwo über dem Atlantik Kreise zieht.
Aber das Wetter ist nur ein Teil des Unterhaltungsprogramms.
Der zweite Teil heißt Fibromyalgie.
Meine Fibromyalgie hat offenbar beschlossen, wieder einmal ihr komplettes Repertoire aufzuführen.
So eine Art Schmerzfestival. Voller Freude, dass die Temperaturen ihrem Temperament entsprechen.
Montag: Waden.
Dienstag: Schultern.
Mittwoch: Rücken.
Donnerstag: Überraschungsprogramm überall gleichzeitig.
Man könnte fast meinen, sie hat eine Liste:
„Hm. Lange nicht mehr in der linken Hüfte gepiekst. Wird Zeit.“
Während andere Menschen Fitnessprogramme absolvieren, macht mein Körper offenbar ein sehr ambitioniertes Schmerz-Probetraining.
Und dann – weil das offenbar noch nicht genug Unterhaltung ist – sitzt irgendwo im Hintergrund auch noch die Depression auf einem Stuhl, schlürft Kaffee und sagt:
„Ach komm. Heute machen wir einfach gar nichts.“
Und zum Schmerz-Probetraining kommt dann noch das Läck doch mir am A…..
Nicht dramatisch. Nicht laut.
Mehr so ein freundliches, bleischweres „Och nöööööö, morgen vielleicht.“
Das Ergebnis sieht dann ungefähr so aus:
Ich sitze im Sessel, gucke vor mich hin oder spiele Mahjong und tue so, als wäre das eine hochkomplexe mentale Übung.
Ist es natürlich auch.
Irgendjemand muss schließlich dafür sorgen, dass die digitalen Mahjong-Steine ordentlich sortiert bleiben.
Eigentlich wollte ich in dieser Zeit produktiv sein.
Texte schreiben. Dinge aufräumen. Kreativ sein.
Stattdessen sitze ich da wie ein leicht irritierter Zuschauer meines eigenen Körpers und denke mir:
„Interessant. Das hatte ich so auch noch nicht.“
Man könnte also sagen:
Ich schreibe gerade nicht, weil das Universum beschlossen hat, dass ich zuerst eine Weiterbildung im Fach Geduld, Schmerz und Mahjong absolvieren soll. (In der letzten Disziplin bin ich mittlerweile supergut.)
Dazu noch das Nebenfach:
„Ironisch über sich selber lachen, während Körper und Hirn gleichzeitig streiken.“
Aber keine Sorge.
Der nächste Text kommt bestimmt.
Sobald Frühling, Fibromyalgie, Depression und Motivation sich auf einen gemeinsamen Termin einigen konnten.
Was erfahrungsgemäß ungefähr so einfach ist wie vier Katzen davon zu überzeugen, gleichzeitig in die gleiche Richtung zu laufen.
Manchmal ist das Leben eben kein Ponyhof.
Manchmal ist es einfach nur ein Tag, oder eine Woche im Sessel mit Schmerzen, Mahjong – und der festen Absicht, morgen vielleicht produktiv zu sein. 😄
