Auf der Reise von Teneriffa in die Schweiz ist so einiges passiert.
Eigentlich hatte ich Assistenz gebucht. Was ich bekam, war eher eine Mischung aus Geduldstraining, Orientierungslauf und unfreiwilligem Muskelaufbau.
Am Flughafen Nord auf Teneriffa checkten Brummbär und ich mich ganz normal ein. Problemlos. Danach wurde ich von einem jungen Mann der „Asistenzia“ freundlich empfangen. Ich erklärte ihm, dass ich nur ein Ticket von Teneriffa nach Madrid hätte – das von Madrid nach Zürich fehlte.
Kein Problem. Zurück zum Schalter. Zweites Ticket bekommen. Problem gelöst. Dachte ich.
Denn nun kam das Gepäck.
Ich hätte nur zwei Gepäckstücke gebucht, hätte aber vier.
Ich erklärte ruhig, dass mein CPAP-Gerät ein medizinisches Atemgerät sei, das noch nie – wirklich noch nie – als Gepäck gezählt wurde. Mein Handtäschchen war zudem so klein, dass es vermutlich aus reiner Höflichkeit existierte.
Die Dame blieb unbeirrbar. Also stopfte ich mein Täschchen in den Rucksack. Sie moserte weiter. Zum Glück verstehe ich zu wenig Spanisch, um zu wissen, wie sehr. Irgendwann liess sie mich durch. Vermutlich aus Erschöpfung. Oder Gnade. Man weiss es nicht.
Mit dem Rollstuhl ging es zur Sicherheitskontrolle. Natürlich bimmelte meine Knieprothese. Wie immer wurde ich abgetastet, und mit dem Metallscanner entdeckte die Mitarbeiterin mein Knie. Ein echter Aha-Moment – für sie.
Im Flugzeug war ich einfach froh, endlich zu sitzen. Der Flug nach Madrid verlief ereignislos. Man kann ja nicht alles haben.
In Madrid warteten etwa fünf Personen auf die Assistenz. Erst nachdem wirklich alle anderen Passagiere draussen waren, durften wir in einen Wagen steigen. Wir fuhren ein bisschen. Dann standen wir herum. Dann fuhren wir wieder. Dann standen wir wieder. Am Ende landeten wir beim Hauptquartier der Betreuung.
Dort wurden wir ausgeladen. Und dann… stehen gelassen.
Rund 30 Menschen. Drei Stühle. Ein soziales Experiment.
Ein Mann kam, sammelte alle Bordkarten ein, und das Chaos nahm Fahrt auf. Ich bemerkte, dass mein Flug nach Zürich bald abfliegen würde. Erst da wurde es plötzlich hektisch.
Beim Boarding blickten die Mitarbeitenden nicht begeistert. Wir waren zu spät. Zu Fuss ging es dann noch zum Flugzeug. Ich sass vielleicht zwei Minuten, da rollte der Flieger bereits los. Effizienz geht anders, aber immerhin war ich drin.
In Zürich dann das nächste Highlight: warten.
Als endlich Bewegung kam, hiess es, oben gäbe es einen Wagen. Zwei leere Rollstühle wurden hochgeschoben. Leer.
Wir Menschen mit Schmerzen durften zu Fuss gehen. Ich schüttelte nur den Kopf. Mein Körper hatte zu diesem Zeitpunkt längst innerlich gekündigt.
Im Wagen sass ich rückwärts und verlor bei jedem Anfahren fast den Halt. Also klammerte ich mich fest. Sehr fest. Später konnte ich meine Hände kaum mehr lösen – aber hey, Oberkörpertraining gratis.
Endlich sass ich im Zug. Glück. Dachte ich.
Denn ich sass im falschen Zug.
Zum Glück merkte ich es früh genug und konnte in Zürich umsteigen. Erschöpft liess ich mich in den richtigen Zug fallen, lehnte mich zurück – und dann dieser Moment:
Der Zug fuhr schon. Mein Rucksack war noch im vorherigen Zug.
Ich spürte, wie mir innerlich alles entgleiste. Zum Glück hatte ich mein kleines Täschchen mit Papieren bei mir. Aber iPad und Portemonnaie waren im Rucksack. Eigentlich hätte ich umsteigen müssen, aber Brummbär riet mir sofort, zum SBB-Schalter zu gehen.
Dort erklärte man mir freundlich die Optionen:
Expresssuche für 75 Franken.
Normale Suche für 20 Franken – beim Abholen.
Resigniert rief ich meine Tochter an. Mein lieber Schwiegersohn holte mich ab. Zuhause machte ich, geknickt und wütend auf mich selbst, den normalen Suchauftrag.
Um 23 Uhr rief Brummbär an.
Ob ich meine Mails schon angeschaut hätte.
Mein Rucksack war gefunden.
Eine liebe Frau hatte ihn im Zug gesehen, mitgenommen und bei der SBB abgegeben. In einer Seitentasche fand sie meine Boardingkarte. Über meinen Namen landete sie auf meiner Webseite. Und im Impressum – meine Mailadresse.
So konnte ich meinen Rucksack heute schon wieder abholen. Alles war noch drin.
Ich bin dieser Frau unendlich dankbar.
Und dem Universum ein bisschen böse. Aber nur ein bisschen. 😌

